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Roland Hecht
Kapitel 25 von 28 — Inhaltsverzeichnis

ChatGPT · Praxis · Kapitel 25 · 10 Min.

Stimmungsbild zum Teil Praxis

Kniffe, die man nicht auf Anhieb findet

Vierzehn Handgriffe, die in keinem Menü stehen — neun im Chat, fünf in Codex. Und warum sich die beiden Türen auf verschiedene Weise verstecken.

Dieser Kurs führt durch zwei Türen: die Chat-Oberfläche und Codex im Terminal. Die versteckten Handgriffe verteilen sich sehr ungleich auf beide — aber nicht so, wie man zuerst denkt. Warum, steht am Ende des Kapitels.

In der Chat-Oberfläche

1. Der temporäre Chat

Manchmal willst du etwas fragen, das nirgendwo hängen bleiben soll. Eine medizinische Frage, ein Gehalt, eine Sache für jemand anderen. Der übliche Weg — normaler Chat, hinterher löschen — hat einen Haken: Bis du löschst, hat ChatGPT deine Erinnerungen längst benutzt und die Antwort danach ausgerichtet.

Der temporäre Chat fängt bei null an. Er kennt keine Erinnerungen, sieht keine früheren Gespräche, erscheint nicht im Verlauf und wird nicht zum Verbessern der Modelle verwendet. Den Schalter findest du oben rechts im neuen Chat als Pille Temporär.

Merke

Der temporäre Chat ist kein Geheimmodus. Er hindert ChatGPT daran, dich zu kennen — er macht die Anfrage nicht anonym. Für alles, was den Rechner nicht verlassen darf, ist der Kurs „Lokale KI“ die richtige Adresse.

2. Die Chat-Leiste — ohne das Fenster zu suchen

In der Desktop-App gibt es eine Leiste, die über allem schwebt: Alt+Leer (am Mac ⌥+Leer). Du tippst die Frage, ohne die Anwendung zu wechseln, in der du gerade steckst.

Der eigentliche Kniff steckt in der Leiste selbst: Modell umstellen und den temporären Chat einschalten geht direkt dort — du musst dafür nicht ins große Fenster.

3. Projektanweisungen schlagen die allgemeinen

Du hast unter Anpassen hinterlegt, wie ChatGPT mit dir reden soll. Kurze Sätze, kein Marketingdeutsch, immer auf Deutsch. Gut. In einem Projekt gelten aber die Projektanweisungen — und die setzen die allgemeinen außer Kraft, statt sich mit ihnen zu addieren.

Das ist keine Panne, das ist der Sinn der Sache: Ein Projekt für Angebotstexte darf einen anderen Ton haben als dein Alltag. Nur muss man es wissen, sonst wundert man sich, warum die Hausregeln in einem Projekt plötzlich nicht mehr greifen.

WoGiltPlatz
Anpassen (allgemein)in jedem Chat — außer im Projekt 1.500 Zeichen mit Free und Go, 5.000 mit Plus und aufwärts
Projektanweisungennur in diesem Projekt, dort aber allein —

4. Nachsehen, woher die Antwort ihr Wissen über dich hat

Wenn eine Antwort auf dich zugeschnitten ist, kannst du nachsehen, welcher Kontext das bewirkt hat — eine gespeicherte Erinnerung, ein früheres Gespräch. Und du kannst genau diesen Eintrag löschen oder richtigstellen.

Das ist der Ausweg aus einem Ärgernis, das viele kennen: ChatGPT hält an etwas fest, das mal stimmte und längst überholt ist. Statt zu diskutieren, siehst du nach, was er über dich gespeichert hat, und räumst dort auf.

5. Der Bildschirm im Sprachmodus — er sieht mit

Das ist der Handgriff, der Anfängern am meisten abnimmt, und fast niemand kennt ihn. In der Handy-App startest du den Sprachmodus, tippst auf die drei Punkte und wählst Bildschirm teilen. Von da an sieht ChatGPT, was du siehst — und du kannst sprechen statt tippen.

Wofür das gut ist: Du steckst in einem Programm fest, das du nicht kennst. Früher hast du den Vorgang beschrieben und gehofft, dass die Beschreibung stimmt. Jetzt zeigst du ihn einfach. Daneben liegt das Kamerasymbol — damit hältst du die Kamera auf eine Bedienungsanleitung, einen Zählerstand, eine fremdsprachige Speisekarte.

Achtung

Beides gibt es nur in der Handy-App und nur mit einem bezahlten Zugang. Am Rechner gibt es keine Bildschirmfreigabe.

Der Ersatz am Rechner ist unspektakulär und funktioniert trotzdem: Mach einen Screenshot und zieh ihn in den Chat. „Wo klicke ich hier, um den Hintergrund zu entfernen?“ — ChatGPT liest die Oberfläche im Bild und beschreibt den Weg. Das ist kein Notbehelf, das ist für die meisten Fälle sogar der ruhigere Weg, weil das Bild stehen bleibt und du in Ruhe mitlesen kannst.

6. Das Klammeraffen-Zeichen holt einen eigenen GPT dazu

Du bist mitten in einem Gespräch und merkst, dass dieser eine Teil besser bei einem deiner eigenen GPTs aufgehoben wäre. Der übliche Weg — neuen Chat aufmachen, den GPT starten, alles noch einmal erzählen — ist nicht nötig. Tippe @ und den Namen. Der GPT übernimmt die nächste Nachricht, und der Zusammenhang bleibt stehen.

Man kann das mehrfach hintereinander machen. Einer schreibt den Text, der nächste bringt ihn in deinen Ton, der dritte macht Überschriften daraus — alles in einem Gespräch, das den ganzen Vorlauf kennt.

Achtung

Zwei Einschränkungen, an denen es sonst still scheitert: Es geht nur im Browser, nicht in den Handy-Apps. Und in der Liste stehen nur GPTs, die du schon einmal benutzt hast — ein frisch gebauter taucht erst auf, nachdem du ihn einmal normal geöffnet hast.

7. Der Prompt-Optimierer liegt gar nicht in ChatGPT

OpenAI hat ein Werkzeug, das einen Auftrag nimmt und ihn so umschreibt, wie die eigenen Modelle ihn am liebsten bekommen — samt Randbemerkung, warum jede Änderung gemacht wurde. Genau deshalb ist es zum Lernen so brauchbar: Du siehst nicht nur den besseren Auftrag, du siehst die Begründung.

Der Kniff besteht darin, überhaupt zu wissen, dass es das gibt — denn es steht nicht in ChatGPT, sondern auf der Entwicklerseite von OpenAI:

platform.openai.com/chat/edit?optimize=true

Ein kostenloses Konto genügt, ein bezahlter Zugang ist nicht nötig. Du musst dort nichts programmieren — Auftrag hineinkopieren, auf Optimize klicken, das Ergebnis mitnehmen und in ChatGPT weiterbenutzen.

Merke

Nicht verwechseln mit dem gleichnamigen Optimierer im Evals-Bereich derselben Seite. Der ist etwas anderes und wird abgeschaltet: ab 31. Oktober 2026 nur noch lesbar, am 30. November 2026 ist Schluss. Der hier gemeinte bleibt.

8. Die Bibliothek — wo alle deine Bilder liegen

Du hast vor drei Wochen ein Bild machen lassen und findest den Chat nicht wieder. Musst du auch nicht: In der linken Leiste gibt es die Bibliothek, und dort liegen alle Bilder, die du je erzeugt hast, das neueste oben.

Der zweite Teil ist der nützlichere. Klick ein Bild an und wähle im Chat öffnen — du landest wieder in dem Gespräch, in dem es entstanden ist. Damit hast du den ganzen Vorlauf zurück und kannst weiter daran arbeiten, statt von vorn zu beschreiben.

Die Bibliothek gibt es in allen Tarifen, im Browser wie in der App.

9. Gründlichkeit erzwingen, wenn du keinen Regler hast

Wer Plus oder Pro hat, stellt die Gründlichkeit am Regler ein (Kapitel 2). Wer Free oder Go hat, hat den Regler nicht — dort entscheidet eine Weiche im Hintergrund, welches Modell antwortet, und die schickt einfache Anfragen an das schnelle, billige Modell.

Diese Weiche hört auf Ansagen. OpenAI schreibt selbst, dass eine ausdrückliche Absichtserklärung im Auftrag — im Beispiel der Dokumentation think hard about this — in die Bewertung einfließt, welches Modell drankommt. Schreib also dazu, dass du eine gründliche Antwort willst, statt zu hoffen, dass die Weiche es errät.

Merke

Es ist ein Hinweis, kein Schalter. Die Weiche wiegt ab, sie gehorcht nicht. Und das Beispiel in der Dokumentation ist englisch — wenn dir eine Antwort zu dünn erscheint, ist die englische Formulierung der zuverlässigere Versuch. Wer den Regler hat, braucht den Umweg nicht.

Achtung

Bei Claude ist es genau umgekehrt: Dort ist think hard normaler Text ohne jede Wirkung, und nur ultrathink wird erkannt. Dieselben zwei Wörter, entgegengesetztes Verhalten — deshalb steht diese Zeile auch im Vergleichskurs.

In Codex

10. Das Klammeraffen-Zeichen findet Dateien

Tippst du im Codex-Eingabefeld ein @, öffnet sich eine unscharfe Suche über alle Dateien deines Arbeitsordners. Ein paar Buchstaben genügen, Tab oder Enter setzt den Pfad in deine Nachricht.

Damit hörst du auf, Dateinamen abzutippen und dich zu vertippen — der häufigste Grund, warum Codex „die Datei nicht findet“.

Achtung

Dasselbe Zeichen tut an zwei Orten Verschiedenes. In Codex holt @ eine Datei; ein Plugin rufst du dort mit $. Im Chat und in Work ist es umgekehrt: Dort öffnet @ die Liste deiner Apps und deiner eigenen GPTs — siehe Handgriff 6. Eine Dateisuche gibt es dort nicht.

11. Dazwischenreden, während er arbeitet

Codex läuft, und dir fällt etwas ein. Abbrechen wäre schade, warten nervt. Beides ist nicht nötig:

Enter — sofort

Wirft die Anweisung in den laufenden Zug. Für Kurskorrekturen: „nicht die Testdateien anfassen“.

Tab — angestellt

Stellt den Auftrag für den nächsten Zug an. Für alles, was warten kann. Auch Schrägstrich-Befehle.

Das ist Codex’ Antwort auf dieselbe Frage, die andere Werkzeuge mit einem Nebenchat lösen. Der Unterschied: Hier landet, was du sagst, im selben Gespräch — es lenkt also, statt nur zu fragen.

12. Ein Ausrufezeichen für die Kommandozeile

Ein ! vor der Zeile führt einen Befehl direkt in deiner Shell aus — im selben Sandkasten und mit denselben Freigaben, die für Codex gelten. Kein zweites Terminalfenster, kein Wechseln.

!git status

13. Die Sitzung von gestern wieder aufmachen

Ein Gespräch ist nicht weg, wenn du das Fenster schließt:

codex resume          # Auswahlliste der letzten Sitzungen
codex resume --last   # direkt die letzte

Praktisch am Morgen danach: statt zu erklären, was gestern war, machst du dort weiter, wo es aufgehört hat.

14. Drei kleine, die viel Tipparbeit sparen

BefehlTut
/copyNimmt die letzte Antwort oder den Plan in die Zwischenablage — ohne Markieren mit der Maus
/ideHolt, was in deinem Editor offen ist, in die nächste Nachricht. Erspart das Erklären, woran du gerade sitzt
/compactDampft den sichtbaren Verlauf zu einer Zusammenfassung ein, wenn der Platz eng wird

Und Bilder gehen auch hier ohne Umweg: einen Screenshot ins Eingabefeld einfügen, oder gleich beim Start mit codex --image mitgeben. Ein Fehlerbild sagt mehr als drei Absätze Beschreibung.

Warum das eine sich anders versteckt als das andere

Als dieses Kapitel entstand, standen hier neun Handgriffe — vier im Chat, fünf in Codex. Daraus wurde ein Satz gebaut: Versteckt ist nur, was eine Oberfläche verbergen kann, und weil Codex keine Knöpfe hat, versteckt es mehr. Das klang gut. Es war zu einfach.

Inzwischen sind es vierzehn, und das Verhältnis hat sich umgedreht: neun im Chat, fünf in Codex. Der Satz stimmt so nicht mehr — aber das, was ihn ersetzt, ist brauchbarer.

Im Chat ist nicht versteckt, was keinen Knopf hat. Versteckt ist, was woanders liegt.

Sieh die fünf neuen Handgriffe daraufhin an. Die Bildschirmfreigabe liegt auf einem anderen Gerät — im Handy, nicht am Rechner. Der Prompt-Optimierer liegt auf einer anderen Internetseite, gedacht für Programmierer. Die Weiche, die über die Gründlichkeit entscheidet, hat überhaupt keine Oberfläche; man erfährt von ihr nur aus der Dokumentation. Und @ und die Bibliothek sind zwar sichtbar — aber niemand tippt ein Sonderzeichen aufs Geratewohl, und niemand sucht ein Bild an einem Ort, an dem er es nie abgelegt hat.

In Codex ist es einfacher: Dort ist alles gleich weit weg. Wer / nie eintippt, erfährt nie, dass es vierzig Befehle gibt. Das ist eine Bringschuld, die man mit einer Gewohnheit erledigt.

Daraus folgen zwei Gewohnheiten, für jede Tür eine:

In Codex

Einmal im Monat / eintippen und die Liste durchsehen. Sie wächst, und niemand sagt dir Bescheid.

Im Chat

Einmal im Monat dieselbe Aufgabe auf dem Handy aufmachen. Die App kann Dinge, die der Rechner nicht kann — und man merkt es nur, wenn man nachsieht.

Merke

Fast jeder Handgriff hier hat eine Entsprechung bei Claude — anderer Name, gleiche Idee. Wer beide benutzt, sucht am besten nach der Funktion, nicht nach dem Wort. Der Vergleichskurs stellt die Lager nebeneinander. Eine Ausnahme steht bei Handgriff 9: Dort tun dieselben Wörter bei beiden etwas Verschiedenes.

In einem Satz

Im Chat ist selten versteckt, was keinen Knopf hat. Versteckt ist, was woanders liegt: auf dem Handy, auf einer anderen Seite von OpenAI, oder in einer Weiche, die überhaupt keine Oberfläche hat.

Du willst ChatGPT etwas fragen, das nichts mit dir zu tun hat und nirgendwo hängen bleiben soll. Neuer Chat und hinterher löschen?

Nein — temporärer Chat. Der löschende Weg lässt die Erinnerungen trotzdem greifen, bevor du löschst. Der temporäre Chat fängt bei null an, taucht im Verlauf nie auf und fließt nicht ins Training.

Kapitel 25 von 28 · Stand: 24.08.2026