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Roland Hecht
Kapitel 5 von 28 — Inhaltsverzeichnis

ChatGPT · Grundlagen · Kapitel 5 · 4 Min.

Stimmungsbild zum Teil Grundlagen

Gute Aufträge stellen

Vier Angaben, und das Ergebnis wird brauchbar. Die vierte ist die, die fast alle weglassen.

Wenn ich einen Nachunternehmer beauftrage, sage ich nicht „mach mal was mit Kabeln“. Ich sage, was hinkommt, wo es hinkommt, was zu beachten ist und woran wir erkennen, dass es fertig ist. Erst dann ist es ein Auftrag und keine Bitte.

Bei ChatGPT machen fast alle den Fehler, den kein Bauherr machen würde: Sie beschreiben das Thema statt das Ergebnis.

Ein schlechter Auftrag

Schreib mir einen Text über meine Projekte.

Was zurückkam, als ich das wirklich so eingegeben habe: fünf Absätze über „innovative Lösungen“ und „ganzheitliche Ansätze“. Kein Wort davon war falsch. Kein Wort davon war brauchbar.

Das lag nicht am Modell. Es lag daran, dass ich keine einzige Angabe gemacht hatte, an der es sich hätte festhalten können.

Die vier Angaben

Die Dokumentation nennt vier Teile für einen brauchbaren Auftrag. Ich halte mich seitdem daran, und es ist die einzige Regel aus diesem ganzen Kurs, die überall gilt — im Chat, in Work, in Codex:

  1. ZielWas soll am Ende dastehen? Nicht das Thema — das Ergebnis.
  2. KontextWas muss es wissen? Welche Datei, welche Zahlen, welche Vorgeschichte, welche Fehlermeldung.
  3. GrenzenWas ist vorgegeben? Länge, Ton, was nicht vorkommen darf, was nicht angefasst werden soll.
  4. Fertig, wennWoran erkennen wir, dass es geklappt hat?

Derselbe Auftrag, brauchbar

Schreib die Kurzbeschreibung für meine Projektseite.

Zielgruppe: Bauherren, die Mobilfunk in großen Gebäuden brauchen und nicht vom Fach sind.

Rahmen: höchstens 120 Wörter. Du-Ansprache. Kurze Hauptsätze. Konkrete Bauwerkstypen statt Oberbegriffe. Keine Steigerungsformen, kein „ganzheitlich“, kein „Lösungen“.

Fertig ist es, wenn jemand ohne Fachwissen in einem Satz sagen kann, was ich mache.

Das ist kein Kunststück. Das sind vier Angaben, die man ohnehin im Kopf hat — man schreibt sie nur sonst nicht hin.

Merke

„Fertig, wenn“ ist der Teil, den alle weglassen. Und es ist der wertvollste: Er zwingt dich, dir vorher klarzumachen, was du eigentlich willst. Die Hälfte der schlechten Ergebnisse entsteht daran, dass ich es selbst nicht wusste.

Ein Ziel, das mitläuft

In Codex kannst du ein Ziel für ein ganzes Gespräch setzen, statt es in jeden Auftrag zu schreiben:

/goal Die Kontaktseite umbauen, ohne die Formularlogik anzufassen

Das Ziel bleibt am Gespräch hängen, während gearbeitet wird. Es lässt sich anzeigen, ändern, anhalten und löschen. Nützlich bei allem, was länger als ein paar Schritte dauert.

Nachfragen sind ein gutes Zeichen

Wenn ChatGPT zurückfragt, statt loszulegen, hast du meistens etwas richtig gemacht: Der Auftrag war groß genug, dass es sich lohnt, vorher Klarheit zu schaffen.

Du kannst das erzwingen. Der Satz, den ich am häufigsten anhänge:

Frag nach, wenn dir etwas fehlt, statt zu raten.
Achtung

Es gibt auch zu viel Auftrag. Wer jeden Schritt vorschreibt, bekommt genau das — einschließlich der Schritte, die nicht nötig gewesen wären. Sag, was herauskommen soll und was nicht passieren darf. Das Wie lass offen, solange dir das Wie egal ist.

Nachbessern statt neu anfangen

Wenn das Ergebnis daneben liegt, ist der erste Reflex, den Auftrag neu zu schreiben. Meist ist es besser, das Vorhandene zu korrigieren:

Der zweite Absatz ist zu allgemein. Nimm stattdessen ein konkretes Bauwerk. Den Rest so lassen.

Das kostet weniger Kontingent, behält den guten Teil und ist genau das, was man auf einer Baustelle auch täte: nicht abreißen, nachbessern.

Merke

Ziel, Kontext, Grenzen, Fertig-wenn. Wenn du dir nur eine Sache aus diesem Kurs merkst, dann diese vier. Sie wirken stärker als jede Einstellung, jedes Modell und jede Ausbaustufe, die noch kommt.

In einem Satz

Ziel, Kontext, Grenzen, Fertig-wenn. Diese vier wirken stärker als jede Einstellung, jedes Modell und jede Ausbaustufe, die noch kommt.

Von den vier Angaben wird eine fast immer vergessen. Welche — und was passiert ohne sie?

Das Fertig-wenn. Ohne es weiß weder das Modell noch du, wann die Arbeit erledigt ist — du bekommst etwas Plausibles zurück und merkst erst beim Prüfen, dass die Hälfte fehlt.