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Roland Hecht
Kapitel 6 von 15 — Inhaltsverzeichnis

Der Vergleich · Die Werkzeuge nebeneinander · Kapitel 6 · 7 Min.

Stimmungsbild zum Teil Die Werkzeuge nebeneinander

Dieselben Kniffe, andere Namen

Die versteckten Handgriffe nebeneinandergelegt. Fast jeder hat drüben ein Gegenstück — die drei echten Lücken sagen mehr über die Bauart als jede Funktionsliste, und ein falscher Freund tut bei beiden das Gegenteil.

Das Kapitel davor übersetzt die Wörter. Dieses übersetzt die Handgriffe — die Funktionen, die in keinem Menü stehen und die man erst kennt, wenn sie einem jemand zeigt.

Das Ergebnis vorweg: Es sind fast überall dieselben. Wer von einem Werkzeug zum anderen wechselt, verliert weniger, als er befürchtet. Er muss nur wissen, wo nachzusehen ist.

Die Übersetzungstabelle

Was du willst Claude ChatGPT / Codex Lokale KI
Fragen, ohne dass es hängen bleibt Incognito-ChatTemporärer Chat immer — nichts geht hinaus
Modell mitten in der Arbeit wechseln /model/model anderes Modell starten
Gründlicher nachdenken lassen ultrathink · /effort Denkregler — ohne Regler: im Auftrag ansagen Modellwahl statt Regler
Nebenbei fragen, ohne zu stören Nebenchat: Strg+; · /btw Enter wirft ein, Tab stellt an zweites Fenster aufmachen
Platz im Kontext schaffen /compact/compact /set parameter num_ctx …
Da weitermachen, wo du aufgehört hast Übergabe in eine neue Sitzung codex resume --last —
Ein Bild einwerfen Strg+V Strg+V · codex --image Bildpfad in die Zeile schreiben
Eine bestimmte Datei mitgeben @@ in Codex Text hineinkopieren
Den Verlauf länger aufheben cleanupPeriodDays — liegt ohnehin bei dir
Eine Marke in einer langen Sitzung setzen Antwort als Kapitel anheften ——
Ein zu großes Modell trotzdem laufen lassen entfällt — du betreibst kein Modell auslagern in den Arbeitsspeicher
Merken, dass gerade nichts lokal läuft entfällt — es läuft nie lokal Namenszusatz -cloud, Anmeldepflicht
Merke

Ein Strich heißt „kein Gegenstück gefunden“, nicht „gibt es nicht“ — und entfällt heißt, dass die Frage drüben gar nicht auftaucht, was etwas anderes ist als eine Lücke. Diese Werkzeuge bekommen monatlich Funktionen dazu, und niemand kündigt sie an. Wer wechselt, tippt am besten einmal / und liest die Liste — dort steht die Wahrheit von heute.

Der falsche Freund: think hard

Eine Zeile der Tabelle verdient mehr als eine Zelle, weil sie die einzige ist, bei der dieselben Wörter bei beiden Werkzeugen etwas Verschiedenes tun. Wer das nicht weiß, gewöhnt sich etwas an, das nur auf einer Seite wirkt.

Du schreibst Bei Claude Bei ChatGPT
think hard nichts. Normaler Text, kein Schlüsselwort wirkt. Fließt in die Wahl des Modells ein
ultrathink wirkt. Das erkannte Schlüsselwort nichts. Kein bekannter Begriff

Der Unterschied kommt aus der Bauart. Bei Claude ist es ein Schlüsselwort: Ein festgelegtes Wort wird erkannt, alle anderen nicht — deshalb ist think hard dort wirkungslos, so vernünftig es klingt. Bei ChatGPT sitzt eine Weiche davor, die abschätzt, wie aufwendig die Anfrage ist; OpenAI schreibt selbst, dass eine ausdrückliche Ansage im Auftrag in diese Abschätzung einfließt.

Merke

Schlüsselwort und Weiche verhalten sich verschieden, wenn man sie verfehlt. Ein verfehltes Schlüsselwort tut gar nichts — und sagt es dir nicht. Eine Weiche wägt ab: Sie kann deine Ansage auch überstimmen. Beides führt dazu, dass du das Ergebnis ansiehst und nicht der Formulierung vertraust.

Die drei echten Lücken

Interessant sind nicht die Übereinstimmungen, sondern die Striche. Alle drei haben einen Grund in der Bauart — keiner davon ist eine Nachlässigkeit, die jemand nachreicht.

Der lokalen KI fehlt das Fortsetzen

Ollama merkt sich ein Gespräch, solange das Fenster offen ist. Danach ist es weg. Es gibt keine Sitzungsverwaltung, weil es keine Sitzung im Sinne der anderen gibt — es läuft ein Programm, und wenn es endet, endet der Zusammenhang.

Das ist die Kehrseite des Vorteils: Wo nichts auf einem Server liegt, liegt auch nichts bereit, das man wieder aufmachen könnte. Wer den Verlauf braucht, schreibt ihn selbst weg.

Bei ChatGPT fehlt die Aufbewahrungsfrist

Claude Code legt Sitzungen als Dateien auf deine Platte und räumt nach dreißig Tagen auf — mit einer Schraube, an der du drehen kannst. Bei ChatGPT gibt es diese Schraube nicht, weil es diese Dateien nicht gibt: Der Verlauf liegt beim Anbieter, und wie lange, entscheidet dein Konto, nicht eine Einstellungsdatei.

Derselbe Unterschied, den Kapitel 8 ausführlich behandelt — hier nur von der anderen Seite gesehen.

Die Kapitelmarke gibt es nur bei Claude

Eine Antwort anheften und oben ein Inhaltsverzeichnis bekommen: Dafür habe ich bei den anderen kein Gegenstück gefunden. Das ist die schwächste der drei Lücken — sie kann nächsten Monat geschlossen sein, ohne dass es jemand meldet.

Warum manche Werkzeuge mehr Kniffe haben

Als dieses Kapitel entstand, stand hier ein einfacher Satz: Versteckt sei nur, was eine Oberfläche verbergen kann — und weil das Terminal keine Knöpfe hat, verstecke es am meisten. Das Zählergebnis passte dazu: Codex hatte mehr Handgriffe als die Chatoberfläche, und die lokale KI hatte gar kein eigenes Kapitel.

Beim zweiten Durchgang kippte beides. Die Chatoberfläche hat inzwischen die Mehrzahl, und die lokale KI hat ein Kniffe-Kapitel bekommen. Der Satz war zu einfach, und was ihn ersetzt, ist nützlicher:

Nicht das Fehlen eines Knopfes versteckt etwas. Sondern die Entfernung.

Die Chatoberfläche versteckt durch Entfernung: Der Handgriff liegt auf einem anderen Gerät (Bildschirmfreigabe gibt es nur im Handy), auf einer anderen Internetseite (der Prompt-Optimierer liegt bei den Entwicklern) oder er hat gar keine Oberfläche, weil er in einer Weiche im Hintergrund sitzt. Man kann eine Stunde lang jeden Knopf anklicken und findet ihn trotzdem nicht.

Das Terminal versteckt durch Gleichrangigkeit: Dort ist alles gleich weit weg, nichts drängt sich auf, und wer nie / eintippt, erfährt nie, dass es die Befehle gibt. Das ist die freundlichere Sorte — ein einziger Tastendruck deckt alles auf.

Und die lokale KI? Die galt lange als der Ort, an dem sich nichts verstecken kann — offene Kommandozeile, keine Knöpfe. Genau da liegt aber die gefährlichste Falle der drei: Ein Modell, dessen Name auf -cloud endet, steht im selben Verzeichnis wie die örtlichen und läuft doch auf fremden Servern. Nichts ist verborgen, alles steht da — und trotzdem übersieht man es, weil eine Silbe kein Warnschild ist.

Offen liegen und auffallen sind zweierlei.

Merke

Daraus folgt eine unbequeme Umkehrung: Viele versteckte Funktionen sind kein Qualitätsmerkmal. Sie sind ein Hinweis darauf, dass eine Oberfläche mehr kann, als sie zeigt. Das ist mal Komfort und mal ein Konstruktionsfehler — die Zahl allein sagt es dir nicht. Und noch etwas: Dass dieser Abschnitt einmal umgeschrieben werden musste, ist kein Malheur, sondern der Normalfall. Wer zählt, muss neu zählen.

Was das für die Wahl bedeutet

Nichts. Und das ist die Aussage.

Kein Werkzeug gewinnt hier, weil die Handgriffe fast deckungsgleich sind und die drei Lücken aus Eigenschaften folgen, die anderswo im Kurs längst auf der Waage liegen: wo die Daten liegen, was es kostet, wie tief es in dein System greift. Wer nach Kniffen auswählt, wählt nach der Verpackung.

Brauchbar ist die Tabelle beim Wechseln, nicht beim Entscheiden. Und dafür genügt ein Satz, den du dir merken kannst: Such nach der Funktion, nicht nach dem Wort.

Die vollständigen Fassungen mit Klickwegen und den Stellen, an denen es hakt, stehen in den Einzelkursen — Claude, Kapitel 23; ChatGPT, Kapitel 25.

In einem Satz

Wer wechselt, sucht nach der Funktion, nicht nach dem Wort. Das Werkzeug hat den Handgriff fast immer — es nennt ihn nur anders und legt ihn woandershin.

Du kennst aus einem Werkzeug einen Handgriff und findest ihn im anderen nicht. Was ist wahrscheinlicher: Es gibt ihn nicht, oder er heißt anders?

Er heißt anders. Von zwölf verglichenen Handgriffen fehlten drei wirklich — und die fehlten nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Bauart sie überflüssig macht oder unmöglich.

Kapitel 6 von 15 · Stand: 24.08.2026