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Roland Hecht
Kapitel 17 von 26 — Inhaltsverzeichnis

Claude · Ausbaustufen · Kapitel 17 · 5 Min.

Stimmungsbild zum Teil Ausbaustufen

Was sich Claude merkt

Gedächtnis, Projekte, Artefakte. Die drei Wege, wie Wissen eine Sitzung überlebt — und welcher wofür taugt.

Das Grundproblem kennst du inzwischen: Sitzung zu Ende, alles weg. Es gibt vier Wege, etwas zu retten. Sie unterscheiden sich darin, wer entscheidet, was bleibt.

1. Die Datei — du entscheidest

Der zuverlässigste Weg und der, den man am meisten unterschätzt: schreib es auf.

Ein Plan als Datei. Ein Ergebnisprotokoll. Eine Liste offener Punkte. Beim nächsten Mal sagst du „lies die Datei“ und der ganze Stand ist wieder da.

Merke

Der stärkste Gedächtnistrick ist keine Funktion. Es ist die Angewohnheit, am Ende einer Sitzung zu fragen: „Schreib mir in eine Datei, was wir gemacht haben, was offen ist und worauf man beim nächsten Mal achten muss.“ Fünf Sekunden Tipparbeit.

2. Das automatische Gedächtnis — Claude entscheidet

Claude kann selbst entscheiden, was wichtig genug zum Merken ist, und legt es in eigenen Dateien ab. Bei der nächsten Sitzung ist es wieder da.

Das Nützliche daran: Es funktioniert, ohne dass du daran denkst. Das Unangenehme: Es funktioniert, ohne dass du daran denkst. Es kann Dinge behalten, die inzwischen falsch sind.

Achtung

Ein Gedächtnis, das nie überprüft wird, wird zum Problem. Wenn Claude anfängt, sich an Dinge zu „erinnern“, die längst überholt sind, schau nach, was da gespeichert ist, und räum auf. Was falsch ist, gehört gelöscht — nicht ergänzt.

3. Hausregeln und Skills — du entscheidest, dauerhaft

Kennst du aus Kapitel 9 und 12. Der Unterschied zum Gedächtnis:

GedächtnisCLAUDE.md / Skill
Wer schreibtClaudedu
Sammelt sich anja, von selbstnur wenn du etwas tust
Gut fürBeiläufiges — Vorlieben, Gewohnheiten Verbindliches — Regeln, Abläufe
Merke

Alles, was stimmen muss, schreibst du selbst auf. Das automatische Gedächtnis ist bequem, aber es ist kein Aktenschrank.

4. Projekte — im Chat

Das ist der Weg auf claude.ai, ohne Terminal.

Begriff

Ein Projekt ist ein Bereich mit einer Dauer-Ablage. Was du dort hinterlegst — Dateien, Anweisungen, Skills — kennt jeder Chat innerhalb dieses Projekts, ohne dass du es jedes Mal hochlädst.

Wofür man es nimmt: Wenn du immer wieder auf dieselben Unterlagen zugreifst. Ein Leistungsverzeichnis, eine Preisliste, dein Markenhandbuch, eine Kursgliederung. Einmal hineinlegen, und alle Gespräche in diesem Projekt kennen sie.

Das ist im Chat, was die CLAUDE.md im Terminal ist.

Und noch etwas: Artefakte

Begriff

Ein Artefakt ist ein Ergebnis aus einem Chat, das als eigene Seite existiert und per Link geteilt werden kann — ein Bericht, eine Übersicht, ein kleines Werkzeug.

Zwei Dinge dazu, die man wissen sollte:

Was wohin gehört

Das willst du behaltenDorthin
Wo was liegt, welche Regeln geltenCLAUDE.md
Wie ein bestimmter Handgriff gehtSkill
Stand einer laufenden ArbeitDatei im Projektordner
Unterlagen, auf die du ständig zugreifstProjekt (im Chat)
Deine Vorlieben, beiläufigautomatisches Gedächtnis
Ein fertiges Ergebnis zum WeitergebenArtefakt oder Datei

Die Ausbaustufe: ein Kontext-Ordner

Wenn du länger dabei bist, entsteht fast von selbst ein Muster, das einen Namen verdient. Statt Wissen über viele Dateien zu verstreuen, legst du einen Ordner an, in dem steht, wer du bist und wie du arbeitest:

kontext/
  wer-ich-bin.md
  wie-ich-schreibe.md
  meine-kunden.md
  preise-und-konditionen.md
  was-wir-nicht-machen.md

In der CLAUDE.md steht dann nur noch eine Zeile: dass dieser Ordner existiert und wann welche Datei zu lesen ist. Der Rest wird geholt, wenn er gebraucht wird.

Merke

Der Gewinn ist nicht die Ordnung. Es ist, dass jede Sitzung und jeder Unteragent auf denselben Stand zugreift. Und wenn sich etwas ändert — neue Preise, neuer Ton — änderst du es an einer Stelle statt an sieben.

In einem Team ist das der Punkt, an dem es richtig trägt: Alle arbeiten gegen dieselben Unterlagen, nicht gegen das, was jeder gerade im Kopf hat.

Bei mir ist dieser Ordner das Markenhandbuch. Da stehen Farben, Schriften, Sprachregeln und verbotene Wörter drin. Deshalb musste beim Bau dieser Seite über Gestaltung gar nicht mehr geredet werden — es stand schon geschrieben.

Die Angewohnheit, die alles zusammenhält

Eine Frage, immer am Ende einer Sitzung:

Was haben wir heute gelernt, das beim nächsten Mal wieder wichtig wird? Schreib es an die richtige Stelle — Hausregeln, Skill oder Notizdatei — und sag mir, wohin.

Damit wächst dein Setup mit jeder Sitzung ein Stück. Und in einem halben Jahr arbeitet Claude bei dir spürbar besser als bei jemandem, der bei null angefangen hat. Nicht weil er klüger geworden ist, sondern weil du ihm eine Werkstatt eingerichtet hast.

In einem Satz

Alles, was stimmen muss, schreibst du selbst auf. Das automatische Gedächtnis ist bequem, aber es ist kein Aktenschrank.

Was ist der stärkste Gedächtnistrick — und warum ist er ausgerechnet keine Funktion?

Am Ende jeder Sitzung zu sagen: „Schreib mir in eine Datei, was wir gemacht haben, was offen ist und worauf man nächstes Mal achten muss.“ Fünf Sekunden Tipparbeit — und du entscheidest, was bleibt, statt es der Automatik zu überlassen.