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Roland Hecht
Kapitel 23 von 26 — Inhaltsverzeichnis

Claude · Praxis · Kapitel 23 · 7 Min.

Stimmungsbild zum Teil Praxis

Kniffe, die man nicht auf Anhieb findet

Sieben Handgriffe, die in keinem Menü stehen. Nachgeprüft, ergänzt — und an drei Stellen richtiggestellt.

Die meisten Funktionen findest du, indem du herumklickst. Ein paar aber nicht — die stehen in keinem Menü, sondern in einem Tastenkürzel, einem Schrägstrich-Befehl oder schlicht in einem Satz, den du sagen musst. Sieben davon stehen hier.

Aus der Praxis

Den Anstoß gab ein Video von Calvin Hollywood, der die sieben Handgriffe in der Desktop-App vorführt. Ich habe jeden gegen die Anthropic-Doku geprüft, bevor er hier gelandet ist. Vier stimmen wie gezeigt. Drei brauchen einen Zusatz — bei einem davon ist der Zusatz wichtiger als der Handgriff selbst.

1. Sitzungen länger aufheben als dreißig Tage

Claude Code legt jede Sitzung als Verlauf auf deiner Platte ab, unter %USERPROFILE%\.claude\projects\. Nach dreißig Tagen räumt er auf. Die Checkpoints gehen mit.

30 Tage, dann löscht Claude Code deine Sitzungsverläufe — falls du nichts anderes einstellst

Die Stellschraube heißt cleanupPeriodDays und steht in der settings.json. Es gibt keinen Schieberegler dafür. Du musst sie also entweder selbst eintragen — oder es schlicht sagen:

Setz cleanupPeriodDays auf 180.

Claude schreibt die Einstellung dann für dich. Das ist kein Umweg, das ist der vorgesehene Weg: Er darf seine eigene Konfiguration bearbeiten.

Wozu das gut ist, merkst du erst später. „Geh mal die letzten Sitzungen durch — wie formuliere ich Aufträge, was mache ich immer wieder falsch?" ist eine Frage, die nur funktioniert, solange die Sitzungen noch da sind.

Merke

Das betrifft nur die Kopie auf deinem Rechner. Wie lange Anthropic Daten aufbewahrt, ist eine andere Frage und steht in deinen Kontoeinstellungen — die settings.json ändert daran nichts.

2. Das Modell mitten in der Sitzung wechseln

Unten in der Leiste steht, wer gerade arbeitet. Du kannst das jederzeit ändern: /model, oder Strg+Umschalt+I (am Mac Cmd+Umschalt+I). Die Sitzung läuft weiter, der Kontext bleibt stehen.

Der übliche Rat lautet: Routine mit dem kleineren Modell, knifflige Stellen mit dem großen — das spart Kontingent. Stimmt. Aber es gibt einen Haken, den kaum jemand dazusagt.

Achtung

Jedes Modell hat seinen eigenen Zwischenspeicher. Nach einem Wechsel wird die ganze bisherige Unterhaltung einmal komplett neu eingelesen — ungecacht. Bei einer kurzen Sitzung merkst du das nicht. Bei einer langen kostet der Wechsel erst mal, bevor er spart.

Daraus folgt die Regel: Wechsle in Abschnitten, nicht im Pingpong. Eine halbe Stunde Routinearbeit im kleineren Modell und dann hinüber — ja. Für jede zweite Frage hin und her — nein.

Der Nachbrenner: ultrathink

Schreib das Wort ultrathink irgendwo in deinen Auftrag, und Claude denkt für diesen einen Zug länger nach. Das Wort wird tatsächlich erkannt, es ist kein Aberglaube.

Aber es dreht nicht am Aufwandsregler. Es hängt eine Anweisung in den Kontext, die Stufe an der Schnittstelle bleibt, wie sie war. Der echte Regler heißt /effort und hat fünf Stufen von low bis max.

Du tippst……und das passiert
ultrathink Anweisung im Kontext: gründlicher nachdenken, diesen einen Zug lang
/effort max Der Aufwandsregler selbst, für die ganze Sitzung. Die tiefste Stufe.
„denk mal gründlich nach" Nichts Besonderes. Wird als normaler Satz gelesen — genau wie „think hard".

3. Übergabe statt Zettelwirtschaft

Der Kontext füllt sich, die Antworten werden zäh. Der bekannte Ausweg: „Schreib alles Wichtige in eine Datei", neue Sitzung, Datei wieder einlesen. Umständlich — und du weißt nie, ob das Wichtige wirklich drinsteht.

Es geht direkter. Mach eine zweite Sitzung auf und gib ihr einen Namen. Dann sagst du in der alten:

Ich habe eine neue Sitzung "Umbau Teil 2" aufgemacht.
Mach eine Übergabe dorthin — Stand, offene Punkte, Entscheidungen.

Claude schreibt die Übergabe selbst in die neue Sitzung. Und er schreibt sie so, dass dort nicht sofort wieder der Kontext voll ist — er fasst zusammen, statt zu kopieren.

Das ist etwas anderes als /compact. Compact staucht die laufende Sitzung zusammen; sie bleibt dieselbe Sitzung mit derselben Vorgeschichte. Die Übergabe gibt dir einen sauberen Anfang, der nur das Nötige mitbringt. Bei einem Themenwechsel ist sie die bessere Wahl.

4. Kapitelmarken in langen Sitzungen

Irgendwo weit oben stand der Link. Oder die Zahl. Oder der eine Satz, auf den du dich später beziehen wolltest — und jetzt scrollst du.

Fahr über die Antwort und heft sie als Kapitel an. Oben erscheint ein Inhaltsverzeichnis, und ein Klick bringt dich zurück an genau die Stelle.

Claude setzt übrigens von sich aus welche, wenn die Arbeit die Phase wechselt — von der Suche zum Umbau, vom Umbau zur Prüfung. Deine eigenen kommen dazu.

5. Nebenbei fragen, während er arbeitet

Claude baut gerade, es dauert. Dir fällt eine Frage ein, aber du willst ihn nicht unterbrechen — jede Zwischenfrage im Hauptfenster lenkt ihn ab und liegt danach für immer im Kontext.

Dafür gibt es den Nebenchat: Strg+; (am Mac Cmd+;), oder du tippst /btw ins Eingabefeld.

Der Nebenchat sieht

alles aus dem Hauptgespräch bis zu diesem Punkt. Du musst nichts noch einmal erklären.

Das Hauptgespräch sieht

vom Nebenchat nichts. Kein Wort davon landet im Kontext deiner laufenden Arbeit.

Genau dafür ist er gebaut: verstehen, nachfragen, eine Annahme prüfen — ohne die Sitzung vom Kurs zu bringen. Ein Haken bleibt: Nebenchats werden nicht auf die Platte geschrieben. Zugemacht ist weg.

6. Bilder aus der Zwischenablage einwerfen

Screenshot gemacht, und jetzt der Umweg über das Plus, den Dateidialog, den Ordner? Nicht nötig. Solange das Bild in der Zwischenablage liegt, genügt Strg+V (am Mac Cmd+V) direkt im Eingabefeld.

Der eigentliche Gewinn ist nicht der gesparte Klick, sondern die Gewohnheit dahinter: zeigen statt beschreiben. „Der Abstand unter der Überschrift ist zu groß" mit Bild dauert zehn Sekunden und trifft. Ohne Bild werden daraus drei Runden Ratespiel.

Ein Bild allein ist allerdings noch kein Auftrag. Wirf nie nur den Screenshot hin — schreib dazu, worauf er schauen soll und was dich stört. Sonst bekommst du eine höfliche Bildbeschreibung zurück und hast nichts gewonnen.

7. Claude in deine eigene Seite einbauen

Du bist nicht auf die App angewiesen. Wenn du dir etwas gebaut hast — eine Seite, ein Werkzeug, eine Browser-Erweiterung — kann Claude darin sitzen. Der Weg dahin führt über einen API-Schlüssel: auf platform.claude.com anmelden, Guthaben aufladen, Schlüssel erstellen.

Das läuft getrennt von deinem Abo und wird nach Verbrauch abgerechnet. Für ein Textfeld, in dem hin und wieder jemand etwas fragt, reden wir über Cent-Beträge.

Achtung

Der Schlüssel gehört niemals in die Seite selbst. Alles, was im Browser läuft, kann jeder Besucher lesen — Quelltext anzeigen genügt. Ein Schlüssel im JavaScript ist ein Schlüssel, der auf deine Rechnung geht, und du merkst es erst an der Abrechnung.

Richtig ist der Umweg über den eigenen Server. Die Seite fragt deinen Server, der Server fragt Claude, die Antwort kommt zurück. Der Schlüssel liegt dabei in einer Datei, die der Browser nie zu sehen bekommt.

Diese Seite hier macht es genau so. Das Kontaktformular schickt nichts direkt an den Mailserver — es ruft kontakt.php auf, und das Passwort steht in einer config.php daneben, die niemals ausgeliefert wird. Für einen API-Schlüssel gilt Wort für Wort dasselbe.

Der Satz, mit dem du es beauftragst, darf ruhig schlicht sein:

Bau in diese Seite ein Chatfenster ein, das Claude über die API anspricht.
Der Schlüssel gehört serverseitig, nicht ins JavaScript.

Die sieben auf einen Blick

HandgriffWieWofür
Verläufe länger haltencleanupPeriodDays — oder sagenzurückschauen können
Modell wechseln/modelKontingent, abschnittsweise
Tiefer nachdenkenultrathink · /efforteine harte Stelle
Übergabezweite Sitzung, dann sagenweiter mit vollem Kopf
KapitelmarkeAntwort anheftenlange Sitzungen
NebenchatStrg+; · /btwfragen ohne zu stören
Bild einwerfenStrg+Vzeigen statt beschreiben

Keiner davon ist ein Geheimnis — alle stehen in der Doku. Sie stehen nur nicht dort, wo man beim Arbeiten hinschaut. Genau deshalb lohnt es sich, ab und zu jemandem über die Schulter zu sehen, der dieselbe Software benutzt wie du.

In einem Satz

Ein versteckter Handgriff ist nur so lange ein Trick, bis du ihn zweimal benutzt hast. Danach ist er Handwerk — und du fragst dich, wie du vorher ohne ihn gearbeitet hast.

Dein Kontext ist fast voll, die Aufgabe aber noch lange nicht fertig. /clear würde alles wegwerfen. Was machst du?

Übergabe. Neue Sitzung aufmachen, in der alten sagen: „Mach eine Übergabe dorthin." Claude schreibt den Stand selbst hinüber — du fängst mit leerem Kopf und vollem Wissen an, statt dich mit einer zusammengestauchten Altsitzung weiterzuquälen.

Kapitel 23 von 26 · Stand: 22.08.2026