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Roland Hecht
Kapitel 5 von 26 — Inhaltsverzeichnis

Claude · Grundlagen · Kapitel 5 · 5 Min.

Stimmungsbild zum Teil Grundlagen

Gute Aufträge stellen

Die Fähigkeit mit dem größten Hebel. Sechs Regeln, ein Vorher-Nachher, und warum „mach es besser“ nichts bringt.

Wenn du aus diesem Lehrgang nur ein Kapitel liest, dann dieses. Kein Trick, kein Skill und kein Modellwechsel bringt so viel wie ein sauber formulierter Auftrag.

Und die gute Nachricht: Wenn du schon mal einem Handwerker erklärt hast, was er machen soll, kannst du das im Prinzip. Es ist derselbe Muskel.

Die sechs Regeln

  1. Sag, was rauskommen soll — nicht, was er tun soll.
    Nicht „schau dir mal die Datei an“. Sondern „schreib mir aus dieser Datei eine Tabelle mit drei Spalten: Datum, Ort, Betrag.“
  2. Gib den Rahmen mit.
    Wie lang? Für wen? In welchem Ton? Womit muss es zusammenpassen? Claude rät sonst — und rät gern höflicher und länger, als du wolltest.
  3. Zeig ein Beispiel.
    Ein einziges Beispiel, wie das Ergebnis aussehen soll, ersetzt drei Absätze Erklärung. Bei Optik: mach einen Screenshot und häng ihn dran. Das ist der wirksamste Einzeltipp überhaupt.
  4. Sag, was nicht sein soll.
    „Keine Aufzählungen.“ „Nicht länger als eine Seite.“ „Rühr die Datenbank nicht an.“ Verbote wirken zuverlässiger als Wünsche.
  5. Eine Sache pro Auftrag.
    Drei Aufgaben in einem Prompt werden zu drei mittelmäßigen Ergebnissen. Nacheinander wird jedes einzelne besser.
  6. Lass ihn zurückfragen.
    „Wenn dir etwas fehlt, frag mich, bevor du anfängst.“ Ein Satz. Verhindert die Hälfte aller Fehlläufe.

Vorher und nachher

Ein echtes Beispiel — ich wollte einen Text für meine Werkstatt-Seite.

Der schwache Auftrag

Schreib mir einen Text über meine Projekte.

Was zurückkam: fünf Absätze über „innovative Lösungen“ und „ganzheitliche Ansätze“. Kein Wort davon war falsch. Kein Wort davon war brauchbar.

Der gute Auftrag

Schreib die Kurzbeschreibung für meine Projektseite. Zielgruppe: Bauherren, die Mobilfunk in großen Gebäuden brauchen und nicht vom Fach sind.

Rahmen: höchstens 120 Wörter. Du-Ansprache. Kurze Hauptsätze. Konkrete Bauwerkstypen statt Adjektive.

Nicht verwenden: „Lösungen“, „innovativ“, „ganzheitlich“, „maßgeschneidert“.

So klingt mein Ton — daran halte dich: „Funk dort, wo Standard aufhört.“

Wenn dir Angaben fehlen, frag nach, bevor du schreibst.

Der zweite Auftrag ist zehnmal so lang und hat beim ersten Versuch etwas Brauchbares geliefert. Die Minute Tipparbeit hat zwanzig Minuten Nachbessern gespart.

Merke

Die verbotenen Wörter sind der unterschätzteste Teil. Ein Sprachmodell greift von selbst zur Prospektsprache, weil davon am meisten im Internet steht. Eine Verbotsliste zieht es da heraus.

Nachbessern statt neu anfangen

Das Ergebnis ist fast nie beim ersten Mal fertig. Wichtig ist, wie du nachbesserst.

Bringt nichtsBringt etwas
„Mach es besser.“„Der zweite Absatz ist zu allgemein. Ersetz ihn durch ein konkretes Beispiel aus dem Stadionbau.“
„Zu lang.“„Kürz auf 80 Wörter. Streich zuerst alles, was der Leser schon weiß.“
„Gefällt mir nicht.“„Der Ton ist zu werblich. Nimm die Steigerungsformen raus und schreib in Aussagesätzen.“
„Bist du sicher?“„Prüf Punkt 3 gegen die Quelle und sag mir, wenn er nicht stimmt.“

Zeig auf die Stelle. Sag, was daran nicht passt. Sag, wie es stattdessen sein soll. Drei Sätze, und es sitzt.

Wenn es zweimal danebengeht

Dann liegt es nicht am Modell, sondern am Kontext. Meistens einer von drei Gründen:

Achtung

Nicht in Diskussionen verbeißen. Wenn Claude sich dreimal im Kreis dreht, ist die Sitzung verbrannt. Zehn Minuten Streiten kosten mehr Kontingent und mehr Nerven als ein sauberer Neustart.

Der unterschätzte Trick: reden statt tippen

Alle sechs Regeln oben laufen auf dasselbe hinaus: mehr sagen. Und genau da steht dir die Tastatur im Weg.

Ein Mensch spricht rund 150 Wörter in der Minute. Getippt schafft kaum jemand mehr als 40. Eine Untersuchung aus Stanford hat 2016 beides direkt gegeneinander gestellt: Diktieren war beim Verfassen kurzer Nachrichten am Handy dreimal so schnell wie Tippen — und dabei gut ein Fünftel fehlerärmer.

3× so schnell wie Tippen — und ein Fünftel fehlerärmer

Der eigentliche Gewinn ist aber nicht die Geschwindigkeit. Es ist das hier:

Merke

Beim Tippen kürzt du dich unbewusst ab, weil jedes zusätzliche Wort Arbeit ist. Beim Reden tust du das nicht. Du lieferst automatisch mehr Zusammenhang — und genau davon lebt ein guter Auftrag.

Probier es einmal aus: Sprich deinen nächsten Auftrag statt ihn zu tippen. Er wird länger, unordentlicher und deutlich besser. Um Grammatik musst du dich nicht kümmern; Claude versteht gesprochene Sätze ohne Weiteres, auch mit Ähs und Neuansätzen.

Ein Diktierknopf steckt in praktisch jedem Gerät: bei Windows Windows + H, am Mac die Diktierfunktion, am Handy das Mikrofon auf der Tastatur. Die Claude-Apps haben zusätzlich ein eigenes.

Achtung

Bei Diktierwerkzeugen von Drittanbietern lohnt der Blick, wo deine Sprache verarbeitet wird. Manche schicken die Aufnahme an einen Server, manche rechnen auf dem Gerät. Bei allem, was Kunden-, Personal- oder Gesundheitsdaten berührt, ist das keine Kleinigkeit.

Der Satz, der immer geht

Stell mir Fragen, bis du genug weißt, um das gut zu machen. Dann fang an.

Klingt banal. Dreht die Richtung um: statt dass du alles vorher bedenken musst, holt er sich, was ihm fehlt. Besonders gut bei Dingen, die du selbst noch nicht ganz durchdacht hast.

In einem Satz

Sag, was rauskommen soll — nicht, was er tun soll. Und zeig auf die Stelle, wenn du nachbesserst: „mach es besser“ ist kein Auftrag, sondern ein Seufzer.

Warum wird ein diktierter Auftrag fast immer besser als ein getippter, obwohl der Inhalt derselbe sein könnte?

Weil man sich beim Tippen unbewusst abkürzt — jedes Wort ist Arbeit. Beim Reden liefert man von selbst mehr Zusammenhang mit, und genau davon lebt ein guter Auftrag. Er wird länger, unordentlicher und deutlich brauchbarer.

Kapitel 5 von 26 · Stand: 13.08.2026