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Roland Hecht
Kapitel 20 von 26 — Inhaltsverzeichnis

Claude · Praxis · Kapitel 20 · 5 Min.

Stimmungsbild zum Teil Praxis

Eine echte Aufgabe von A bis Z

Diese Seite, die du gerade liest. Wie sie entstanden ist, wo es hakte, und was das gekostet hat.

Alles Bisherige war Theorie mit Beispielen. Hier ist ein einziges Vorhaben von vorne bis hinten — und zwar dieses hier. Die KI-Lernwerkstatt, in der du gerade liest.

Die Ausgangslage

Ich wollte eine Unterseite auf meiner Website, auf der steht, was ich über Claude gelernt habe. Sie sollte gut aussehen, zum Rest der Seite passen, und — das war die eigentliche Anforderung — ich wollte sie ständig erweitern können, ohne jedes Mal ein Bauprojekt daraus zu machen.

Voraussetzungen: kein Baukasten, kein Framework. Ein einfacher Webspace bei einem Hosting-Anbieter. Reine HTML-Dateien, die per FTP hochgeladen werden.

Schritt 1 — Erst gucken, nicht bauen

Ich habe nicht gesagt „bau mir eine Lernseite“. Ich habe gesagt:

Sieh dir an, wie die Seite aufgebaut ist. Wie sind Unterseiten gemacht? Gibt es ein Design-Regelwerk? Gibt es einen Build-Schritt? Wie kommen die Dateien auf den Server?

Das Ergebnis war eine Bestandsaufnahme, und in der stand etwas, das ich vergessen hatte: Die Farbwerte stehen in sechs Dateien identisch drin, weil es kein Build-System gibt. Eine Farbänderung sind sechs Änderungen.

Merke

Die erste halbe Stunde geht ins Anschauen, nicht ins Bauen. Was dabei herauskommt, ändert oft den Plan — und zwar bevor er etwas kostet.

Schritt 2 — Recherchieren

Bevor über den Inhalt entschieden wurde, kam die Frage, was denn eigentlich der aktuelle Stand ist. Websuche, die offizielle Dokumentation, und drei YouTube-Tutorials, die heruntergeladen, transkribiert und ausgewertet wurden.

Dabei kam heraus: Das beste der drei Videos nennt Modelle, die es so nicht mehr gibt. Die Mechanik stimmt weiterhin, die Namen nicht. Also die Regel für diesen ganzen Lehrgang:

Merke

Bei Widerspruch schlägt die offizielle Dokumentation jedes Video. Videos sind gut dafür, zu sehen, wie jemand wirklich arbeitet. Für Fakten sind sie zu langsam.

Schritt 3 — Plan-Modus und Rückfragen

Dann der Plan. Und bevor er geschrieben wurde, vier Rückfragen an mich:

Die erste Frage war die entscheidende. Hätte ich „eine Datei je Kapitel“ gewählt, wäre die Farbe in 26 statt 6 Dateien gelandet. Der Hinweis kam aus Schritt 1.

Schritt 4 — Bauen

Erst das Gerüst: das Programm, das den Kapitelordner einliest, sortiert und daraus Navigation, Suche und Inhaltsverzeichnis baut. Dann drei Kapitel — nicht 25.

Warum drei? Weil man an dreien sieht, ob die Optik stimmt und ob die Mechanik trägt. Wären sie falsch gewesen, hätte ich drei Kapitel weggeworfen statt fünfundzwanzig.

Merke

Erst die Maschine, dann drei Werkstücke, dann die Serie. Wer die Serie vor dem Prüfstück fährt, produziert Ausschuss in großer Menge.

Schritt 5 — Prüfen, bevor es weitergeht

An der Stelle wurde es praktisch. Es gab kein PHP auf meinem Rechner — also erst installieren, dann prüfen. Und dann kam ein echter Fehler ans Licht:

Eine Funktion, die Text kleinschreibt, fehlte in der lokalen Installation. Auf dem Server wäre sie da gewesen — aber die Suche hätte deutsche Umlaute nicht gefunden. Ein Fehler, der erst Wochen später aufgefallen wäre, und dann als „die Suche ist irgendwie komisch“.

Merke

Der Grund, lokal zu prüfen, ist nicht, dass man dem Ergebnis misstraut. Der Grund ist, dass Fehler, die früh auffallen, zehn Minuten kosten — und dieselben Fehler ein halbes Jahr später einen Nachmittag.

Schritt 6 — Der Rest

Danach die restlichen Kapitel, Teil für Teil. Und zum Schluss die Anbindung: Verlinkung von der Startseite, Eintrag in die Sitemap, ein Absatz in der Datenschutzerklärung wegen des Lesefortschritts, Nachträge im Markenhandbuch.

Dieser letzte Teil ist der, den man am liebsten weglässt. Er ist der Teil, der aus einer Bastelei etwas macht, das man weitergeben kann.

Was das gekostet hat

Ehrlich gesagt: einen guten Teil eines Tages, und einen ordentlichen Batzen Kontingent. Das große Modell für die Planung, die Recherche mit drei heruntergeladenen Videos, dann fünfundzwanzig Kapitel Text.

Zum Vergleich: Ich hätte das selbst geschrieben in — realistisch — zwei Wochen Abende. Und die Suche, das Inhaltsverzeichnis und die automatische Sitemap hätte ich gar nicht hinbekommen.

Die fünf Dinge, die den Unterschied gemacht haben

  1. AnschauenErst gucken, dann planen. Der Hinweis mit den sechs Dateien hat die ganze Architektur bestimmt.
  2. Fragen lassenVier Rückfragen haben mir vermutlich einen Umbau erspart.
  3. PrüfstückDrei Kapitel vor der Serie, nicht fünfundzwanzig.
  4. Lokal prüfenHat einen echten Fehler gefunden, den niemand geahnt hätte.
  5. Regeln aufschreibenDas Markenhandbuch war schon da — über Farben, Schriften und Ton musste gar nicht mehr geredet werden.

Punkt fünf ist der, der am wenigsten nach Technik klingt und am meisten bringt. Wer seine Regeln einmal aufschreibt, muss sie nie wieder erklären.

In einem Satz

Erst die Maschine, dann drei Werkstücke, dann die Serie. Wer die Serie vor dem Prüfstück fährt, produziert Ausschuss in großer Menge.

Warum wurden zuerst nur drei Kapitel geschrieben und nicht gleich alle fünfundzwanzig?

Weil man an dreien sieht, ob die Optik stimmt und die Mechanik trägt. Wären sie falsch gewesen, wären drei Kapitel im Papierkorb gelandet statt fünfundzwanzig.

Kapitel 20 von 26 · Stand: 13.08.2026