Lokale KI · Praxis · Kapitel 17 · 4 Min.
Was es kostet
Kein Kontingent, keine Rechnung. Dafür Wartezeit, Plattenplatz und Strom — und der Punkt, ab dem die Cloud die vernünftigere Wahl ist.
In den anderen Kursen dieser Lernwerkstatt steht an dieser Stelle eine Tabelle mit Tarifen und Kontingenten. Hier gibt es die nicht. Es gibt trotzdem einen Preis, er wird nur anders bezahlt.
Was nichts kostet
- Die Programme. Ollama, Whisper, die Modelle — alles frei verfügbar.
- Die Benutzung. Kein Kontingent, keine Abrechnung nach Token, kein „du hast dein Limit erreicht, versuch es in vier Stunden nochmal“.
- Ein Konto. Es gibt keins. Niemand weiß, dass du das benutzt.
Der zweite Punkt ist im Alltag der spürbarste. Man probiert anders, wenn Ausprobieren nichts kostet. Man lässt denselben Text fünfmal durchlaufen, um zu sehen, welche Formulierung des Auftrags besser wirkt. Bei einer Abrechnung nach Verbrauch überlegt man das dreimal.
Was Zeit kostet
Die eigentliche Währung. Alles an meinem Rechner gemessen:
| Vorgang | Dauer |
|---|---|
| Ein Satz diktieren, roh | rund 8 Sekunden für 6 Sekunden Ton |
| Dasselbe, poliert | + 22 Sekunden |
| Gerede zu Stichpunkten | + 9 Sekunden |
| Notiz zu E-Mail | + 17 Sekunden |
| Modell erstmals laden | 12 bis 57 Sekunden, je nach Größe |
| Eine Seite PDF schwärzen, mit allen drei Schichten | mehrere Minuten |
Die letzte Zeile ist die ehrlichste des Kurses. Ein sechsseitiger Vertrag durch alle drei Schichten ist keine Sache von Sekunden — das startet man und geht Kaffee holen. Für den Alltag nimmt man die schnellen Schichten und schaltet das Sprachmodell nur bei heiklen Dokumenten dazu.
Was Platz kostet
| Posten | Bei mir |
|---|---|
| Drei Sprachmodelle | knapp 13 GB |
| Whisper-Modelle (vier Stufen, ausprobiert) | rund 4 GB |
| Die Programme selbst | wenige hundert MB |
Man landet schnell bei zwanzig Gigabyte, ohne es zu merken, weil jedes Ausprobieren
kostenlos ist und nichts von selbst aufräumt. Deshalb gleich zu Anfang auf ein Laufwerk mit
Platz legen und ab und zu ollama list ansehen.
Was Strom kostet
Ehrlich gesagt: wenig genug, dass ich es nicht gemessen habe. Ein Bürorechner unter Volllast zieht ein paar Dutzend Watt mehr als im Leerlauf, und ein Diktat dauert Sekunden. Wer den ganzen Tag Dokumente durch die Schwärzung schickt, merkt es vielleicht. Sonst nicht.
Was man merkt: Der Lüfter geht an. Auf einem Notebook im Akkubetrieb ist ein Sprachmodell keine gute Idee.
Was Aufmerksamkeit kostet
Der Posten, den niemand auf der Rechnung hat, und der größte. Ein lokales Werkzeug hat keinen Hersteller, der es für dich aktuell hält:
- Modelle veralten, neue kommen — man muss selbst nachsehen.
- Ein Programmwechsel kann Einstellungen umbenennen.
- Ein Dienst, der nicht läuft, meldet sich nicht von selbst.
- Fehler wie mein „Dampf ablassen“-Modus fallen erst auf, wenn man gezielt hinsieht.
Wer das nicht will, ist bei den Diensten im Netz besser aufgehoben. Das ist keine Schande, das ist eine ehrliche Rechnung.
Wann die Cloud die vernünftigere Wahl ist
| Situation | Nimm |
|---|---|
| Langes Dokument zusammenfassen | Cloud |
| Programmieren | Cloud |
| Etwas erklärt bekommen, hin und her fragen | Cloud |
| Diktieren, den ganzen Tag, nebenbei | lokal |
| Fremde Daten im Dokument | lokal — wenigstens zum Schwärzen |
| Kein Netz | lokal |
| Etwas, das niemanden angeht | lokal |
Die Frage ist nicht „lokal oder Cloud“. Die Frage ist, welche Aufgabe wohin gehört. Bei mir läuft beides nebeneinander, seit Monaten, und ich denke keine Sekunde darüber nach — die Taste entscheidet.
Und der Preis, der keiner ist
Ein Punkt zum Schluss, weil er in keiner Tabelle steht. Alles, was hier beschrieben wurde, läuft weiter, wenn der Anbieter die Preise erhöht, das Angebot einstellt, die Nutzungsbedingungen ändert oder das Modell austauscht.
Die Datei auf deiner Platte gehört dir. Sie wird nicht schlechter, sie wird nicht teurer, und sie fragt nicht nach. Das ist bei Werkzeugen eine seltene Eigenschaft geworden.
Die Frage ist nicht „lokal oder Cloud“, sondern welche Aufgabe wohin gehört. Lokal kostet kein Geld, aber Wartezeit, Plattenplatz und Strom.
Ab wann ist die Cloud die vernünftigere Wahl, obwohl sie Geld kostet?
Sobald die Wartezeit teurer wird als das Abo — und bei allem, wo die Qualität eines großen Modells wirklich gebraucht wird. Lokal lohnt sich dort, wo Vertraulichkeit zählt oder viel Gleichartiges anfällt.
Kapitel 17 von 20 · Stand: 13.08.2026
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